Mitteilungen-Archiv

Mitteilung 21 - 2001

Inhaltsübersicht
Neues aus Medizin und Wissenschaft
Neues aus Medizin und Wissenschaft

Berichte/Meldungen/Meinungen
Bundesregierung erhöht Tabaksteuer
Forschungspreis 'Rauchfrei Leben 2002'
Sachverständigenrat fordert nationales
Anti-Tabak-Programm

Impfstoff gegen Nikotinabhängigkeit
Passivrauchen in der Schweiz
Bundesverdienstkreuz für E.-G. Krause

Gesetzliche Maßnahmen/Rechtsprechung
Entwurf für ein Jugendschutzgesetz
EU-Richtlinie zur Tabakwerbung

Rauchverbote auf Bahnhöfen und in Zügen
Nichtraucherschutz in Israel

Aktionen der Tabakindustrie
Prominenz beim Reemtsma Medientreff
Einführung schadstoffärmerer Tabakprodukte
B.A.T. sucht Dialog mit Tabakgegnern


Termine 2001

Impressum Ausschreibungstext des Forschungspreises
'Rauchfrei Leben 2002'
Ausschreibungstext des Forschungspreises
'Rauchfrei Leben 2002'



Mitteilungen-Archiv: Enthält vorhergehende Ausgaben der Mitteilungen





Neues aus Medizin und Wissenschaft


Raucher arbeiten weniger effizient als Nichtraucher

Rauchende Mitarbeiter verursachen für Arbeitgeber beträchtliche verborgene Kosten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie zur Arbeitsleistung von je 100 Rauchern, Ex-Rauchern und Nichtrauchern, die an den Schaltern einer US-Fluggesellschaft tätig sind. Die rauchenden Angestellten waren im Jahr durchschnittlich 6 Tage krankgemeldet, die Ex-Raucher 4,5 Tage und die Nichtraucher nur 3,9 Tage. Die Raucher schnitten auch bezüglich ihrer Arbeitseffizienz, die anhand des erzielten Umsatzes, der Dauer der Telefonate und der kurzzeitigen Abwesenheit vom Arbeitsplatz ermittelt wurde, schlechter ab als die Nichtraucher. Während sich die Arbeitsleistung im ersten Jahr nach einem Rauchstopp zunächst verringerte, stieg sie in den folgenden 1-4 Jahren wieder über die Leistung der Raucher an. Die Autoren führen die geringere Arbeitseffizienz der Raucher auf deren schlechteren Gesundheitszustand und die häufigen Rauchpausen zurück.
[Halperna MT, Shikiarb R, Rentz AM, Khan ZM: Impact of smoking status on workplace absenteeism and productivity. Tobacco Control 10: 233-238 (2001)]


Passivrauchen in der Kindheit erhöht das Risiko für Asthma im Erwachsenenalter
Eine schwedische Arbeitsgruppe von Lungenärzten und Arbeits-/Sozialmedizinern untersuchte an 6.489 Nichtrauchern, ob ein Zusammenhang zwischen der Exposition mit Tabakrauch in der Kindheit und dem Auftreten von Asthma im Erwachsenenalter besteht. Ihre Ergebnisse lassen keinen Zweifel an einem solchen Zusammenhang. Passivrauchen in der Kindheit erhöht das Risiko als Erwachsener an Asthma zu erkranken um 30%. Die Assoziation ist noch stärker bei denjenigen ausgeprägt, die keine familiäre Belastung für Asthma aufweisen. Waren diese als Kinder dem Tabakrauch ausgesetzt, so stieg ihr Asthma-Risiko später um annähernd 80% an.
Die Arbeitsgruppe untersuchte weiterhin, welche Bedeutung der Tabakrauch als Auslöser für die Reizung der unteren Lungenwege besitzt. Nach ihren Befunden liegt Tabakrauch mit 21% an der Spitze der möglichen Auslöser vor der körperlichen Anstrengung bei Kälte (20%), Staub (20%), körperlicher Anstrengung (16%), Parfüm (15%), kalter Luft (12%), Pollen (10%) und Haustieren (8%). Tabakrauch ist also als Verursacher der Reizung der unteren Luftwege nicht zu unterschätzen.
[Larsson ML, Frisk M, Hallström J, Kiviloog J, Lundbäck B: Environmental Tobacco Smoke Exposure During Childhood Is Associated With Increased Prevalence of Asthma in Adults. Chest 120: 711-717 (2001)]



Blasenkrebsrisiko durch Rauchen höher für Frauen als Männer

Raucherinnen haben ein höheres Blasenkrebs-Risiko als Raucher, die etwa gleich viel Zigaretten konsumieren. Dies ergab eine Fall-Kontroll-Studie an 1.514 Patienten in Los Angeles, deren Blasenkrebs zwischen 1987 und 1996 diagnostiziert und histologisch gesichert wurde. Das Blasenkrebs-Risiko der weiblichen und männlichen Raucher war insgesamt um das 2,5fache erhöht. Frauen waren dabei stärker betroffen als Männer. In der Gruppe der stärksten Raucher/innen war das relative Risiko der Frauen (RR = 11,5) mehr als doppelt so hoch wie das der Männer (RR = 5,2). Im Rahmen der Studie wurde auch die Bindung von 3- und 4-Aminobiphenol an das Hämoglobin der Probanden gemessen. Bei diesen Substanzen handelt es sich um Inhaltsstoffe des Tabakrauchs, deren Blasenkrebs-erzeugende Wirkung schon seit langem bekannt ist. In Übereinstimmung mit den Befunden zum Blasenkrebs-Risiko war der Grad der Biphenol-Bindung bei den Raucherinnen höher als bei den Rauchern. Die Untersucher führen die höhere Gefährdung der Frauen darauf zurück, das diese die krebserregenden Inhaltsstoffe des Tabakrauchs in anderer Weise verstoffwechseln als die Männer.
[Castelao JE, Yuan JM, Skipper PL, Tannenbaum SR, Gago-Dominguez M, Crowder JS, Ross RK, Yu MC: Gender- and smoking-related bladder cancer risk. J Natl Cancer Inst, 93: 538-545 (2001)]


Passivrauchen stört akut die Funktion des Herzens
Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass Passivrauchen das Risiko an einer Herz-Kreislauferkrankung zu sterben deutlich erhöht. Die Ursache für dieses Phänomen war bisher unklar. Die kürzlich vorgelegten Untersuchungen der Forschergruppen an der Brigham Young Universität, Utah, und der Harvard Medical School, Massachusetts, bringen jetzt möglicherweise Licht in das Dunkel. Die Forscher untersuchten die Wirkung des Passivrauchens auf die Variabilität des Herzschlags unter verschiedener Beanspruchung. Eine Störung dieser Funktion wird als ein Risikofaktor für Herzkreislauf-Krankheiten angesehen. Die Studie wurde an 16 Nichtrauchern im Alter von 21 bis 76 Jahren vorgenommen, die sich auf einem internationalen Flughafen in zweistündigen Intervallen entweder in einer glasumschlossenen Raucherzone oder in den rauchfreien Zonen aufhielten. Während der insgesamt achtstündigen Untersuchungsperiode wurde kontinuierlich die Herzschlag-Frequenz der Probanden mittels eines tragbaren EKG-Gerätes gemessen und der Sauerstoff-Gehalt ihres Blutes bestimmt. Passivrauchen blieb ohne Wirkung auf den Sauerstoff-Gehalt. Dagegen hatte es einen negativen Einfluss auf die Variabilität des Herzschlags.
[Pope CA III, Eatough DJ, Gold DR, Pang Y, Nielsen KR, Nath P, Verrier RL, Kanner RE: Acute exposure to environmental tobacco smoke and heart rate variability. Environ Health Perspect, 109: 711-716 (2001)]





Berichte/Meldungen


Bundesregierung erhöht die Tabaksteuer

Die Tabaksteuer - nach der Mineralölsteuer die wichtigste Verbrauchssteuer - wird am 1. Januar 2002 um zwei Cent (annähernd 4 Pfennig) steigen. Zugleich wird die Versicherungssteuer von 15 auf 16 Prozent angehoben. Dies beschloss das Kabinett der Bundesregierung überraschend am 19. September als eine seiner Anti-Terror-Maßnahmen. Nutznießer der zusätzlichen Steuereinnahmen sollen die deutschen Geheimdienste, der Bundesgrenzschutz, der Katastrophenschutz und die Bundeswehr sein. (Süddeutsche Zeitung 20.09.2001)
Unbeabsichtigter Nutznießer der Verteuerung von Zigaretten wird voraussichtlich auch der Gesundheitsschutz sein. Nach Schätzung der Weltbank ist in wohlhabenden Ländern bei einem Preisanstieg von 10% mit einer Abnahme des Tabakkonsums um 4% zu rechnen*. Die soeben beschlossene Verteuerung beträgt für Zigaretten im gehobenen Konsumsegment (etwa die Hälfte aller in Deutschland gerauchten Zigaretten) 14%. Diese Zahl liegt im Niedrigpreissegment (ein Fünftel des Konsums) mit 20% deutlich höher.
Den marktbeherrschenden Zigarettenkonzernen wie Philip Morris und B.A.T. kommt die Erhöhung der Tabaksteuer mit den unterschiedlichen relativen Preisanstiegen in den beiden Segmenten vielleicht nicht einmal ungelegen. Kaum etwas hat die Hersteller der etablierten Markenzigaretten in letzter Zeit so sehr beunruhigt wie der zunehmende Absatz der konkurrierenden Handelsbilligzigaretten. Eine Steuererhöhung ist für die Unternehmen insofern von Interesse, als sie den lästigen Preisunterschied zwischen den beiden Zigarettensegmenten verringert. Sie hatten sich daher zu Beginn des Jahres bereits eine ‚Korrektur der Steuerformel bzw. Anhebung der Mindeststeuer' gewünscht. In Anbetracht des damaligen festen Willens der Bundesregierung Steuererhöhungen zu vermeiden bestanden für die Erfüllung dieses Wunsches keine Chancen. (Quellen: Die Tabak Zeitung 19.01.2001, *Curbing the Epidemic. Governments and the Economics of Tobacco Control. The World Bank, 1999)



Ausschreibung des Forschungspreises "RAUCHFREI LEBEN" 2002
Der ÄRZTLICHE ARBEITSKREIS RAUCHEN UND GESUNDHEIT schreibt zum achten Mal den von der Firma Pharmacia GmbH gestifteten, mit 15.000 DM dotierten Forschungspreis 'RAUCHFREI LEBEN' aus. Die Verleihung des Preises soll im Rahmen der Fünften Deutschen Nikotinkonferenz am 10/11. Mai 2002 in Erfurt erfolgen (zum Ausschreibungstext).



Sachverständigenrat fordert Maßnahmen zur Prävention des Rauchens
Der vom Gesundheitsministerium berufene Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hat nun den dritten Teil seines Gutachtens zur medizinischen Unter-, Über- und Fehlversorgung im Gesundheitswesen vorgelegt. Dem Rat war unter anderem aufgetragen worden, sich zur Rolle der Prävention und Gesundheitsförderung im deutschen Versorgungssystem zu äußern. Seine Bilanz dazu fiel negativ aus. Wie schon zuvor beklagte er die "mangelnde Präventionsorientierung des deutschen Systems". Die schwerwiegendsten Defizite machte er bei der Bekämpfung des Rauchens aus. Er forderte daher die Initiierung eines 'nationalen Anti-Tabak-Programms' und sah darin "einen 'Probierstein' für den Einstieg in eine glaubwürdige und von der Krankheitslast her dringend gebotene nationale Präventionspolitik in Deutschland".
Ein Auszug des Gutachtens, der die Äußerungen des Rates zur Tabakkontrolle betrifft, ist in der Sonderausgabe der Mitteilungen des ÄARG Nr. 22 abgedruckt. Der Gesamttext des 232 Seiten starken Gutachtens ist im Internet abrufbar unter: http://www.svr-gesundheit.de/gutacht/gutlei.htm



Entwicklung eines Impfstoffs gegen Nikotinabhängigkeit

Das britische Biotechnologie-Unternehmen Xenova hat erstmalig mit der klinischen Prüfung eines Impfstoffes gegen Nikotin begonnen, der zur Unterstützung der Raucherentwöhnung eingesetzt werden soll. In der initialen Prüfphase wird vorrangig die Unbedenklichkeit des Impfstoffs und weniger seine Wirksamkeit untersucht. Die Dauer der klinischen Prüfungen wird vom Hersteller auf mindestens vier Jahre veranschlagt. Der Impfstoff mit dem Namen TA-NIC wurde von Wissenschaftlern der US?Firma ImmuLogic entwickelt, 1998 an die britische Firma Cantab Pharmaceuticals verkauft und im vorigen Jahr zusammen mit einem Anti-Kokain-Impfstoff im Rahmen einer Fusion von Xenova übernommen. Xenova ist mit der Herstellung eines Anti-Nikotin-Impfstoffs nicht allein im Feld, sondern steht in Konkurrenz zu anderen Biotechnologie-Unternehmen wie die US-Firma Nabi, die einen eigenen Anti-Nikotin-Impfstoff NicVAX auf den Markt bringen möchte.
TA-NIC, eine Nikotin-tragendes Pockenvakzine, regt das Immunsystem dazu an, Antikörper zu bilden, die Nikotin binden können. Da die Antikörper zu groß sind, um die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, gelangt Nikotin nicht mehr an seine Andockstellen im Gehirn und seine suchterzeugende und -erhaltende Wirkung bleibt aus. Nach Angabe des medizinischen Direktors von Xenova soll der Impfstoff, der in das Muskelgewebe injiziert wird, für einen Zeitraum von etwa neun Monaten, der kritischen Periode bei der Raucherentwöhnung, einen Schutz vor der Nikotinwirkung gewähren. (Quellen: Financial Times 10.09.2001, Reuters Health 11.09.2001)



Rückgang der Belästigung durch Tabakrauch in der Schweiz
Der folgende Bericht, der unter dem Titel ‚Zwei von drei Gästen klagen über Rauch in Restaurants' in der letzten Ausgabe des Mitteilungsblattes der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz erschienen ist, gibt ein detailliertes Bild davon, wie stark das Passivrauchen während der letzten 10 Jahre in der Schweiz abgenommen hat.

61 Prozent der Bevölkerung fühlen sich in Restaurants durch Tabakrauch belästigt. Dies ergab eine repräsentative Befragung in allen drei Landesteilen. Zehn Jahre zuvor haben sich 67 Prozent der Bevölkerung über Tabakrauch in Gaststätten beschwert.
Erstmals lässt sich in der Schweiz feststellen, wie viel die Belästigung durch Tabakrauch während des letzten Jahrzehnts abgenommen hat. Im November 2000 ließ das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel eine repräsentative Umfrage wiederholen, die 1990 bereits die Schweizerische Krebsliga in Auftrag gegeben hatte. Die Umfragen führte LINK Institut für Markt- und Sozialforschung Luzern durch. Der Vergleich beider Befragungen zeigt folgende Trends auf:

Die Rauchbelästigung in Restaurants ging innerhalb der vergangenen zehn Jahre nur um 6 Prozent zurück. 1990 beklagten sich 67 Prozent und im Jahr 2000 61 Prozent der Befragten häufig oder manchmal über Zigarettenrauch in Gaststätten. Das sind immer noch knapp zwei Drittel der Bevölkerung.

Am Arbeitsplatz jedoch beträgt der Rückgang 11 Prozent. 1990 war für 35 Prozent aller Erwerbstätigen der Tabakrauch ein Ärgernis. Zehn Jahre später fühlten sich 24 Prozent und unter den berufstätigen Nichtrauchern 29 Prozent belästigt. In der Umfrage 2000 befürworteten 81 Prozent der Bevölkerung das Recht der Nichtrauchenden auf einen rauchfreien Arbeitsplatz.

Bezüglich öffentlicher Transportmittel sank die Anzahl belästigter Personen von 47 auf 35 Prozent. In öffentlichen Räumen fühlten sich letztes Jahr 36 Prozent und an Veranstaltungsorten wie Diskotheken oder Kinofoyers 47 Prozent aller Befragten von Zigarettenrauch gestört. An den Veranstaltungsorten war mit 62 Prozent Nichtrauchenden und 25 Prozent Rauchenden der Unterschied zwischen beiden Gruppen hinsichtlich Klagen über Tabakrauch am größten.
Diese Trends widerspiegeln die Bemühungen in den vergangenen Jahren für eine rauchfreie Umgebung. Viele Firmen haben ihren Betrieb rauchfrei gestaltet und nötigenfalls Rauchzonen eingerichtet. Auch in den Zügen ist das Angebot rauchfreier Abteile deutlich angestiegen. Hingegen haben sich Gaststätten oft damit begnügt, Nichtraucherecken anzuschreiben. (AT-Information, Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, Sommer 2001)



Ehrung des Vorsitzenden der NID, Ernst-Günther Krause

Am 20 Juli 2001 wurde Herrn Ernst-Günther Krause das Bundesverdienstkreuz (Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland) verliehen. Damit wurde eine Person geehrt, die sich wie kaum eine andere um den Nichtraucherschutz und die Prävention des Rauchens in Deutschland verdient gemacht hat. Herr Krause hat 24 Jahre lang die Nichtraucher-Initiative München e.V. geleitet und steht seit 13 Jahren der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. vor.
In der Laudatio würdigte der Vertreter des Bayerischen Staatministerium Krauses vielseitige, ehrenamtliche Tätigkeit für den Nichtraucherschutz, seine unermüdlichen Bemühungen um die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Gesundheitsgefahren des Rauchens und Passivrauchens, seine ausgedehnte Vortragstätigkeit und Teilnahme an Diskussionsrunden in Radio und Fernsehen, seine Mitwirkung bei der Formulierung von Gesetzen und Verordnungen sowie bei Anhörungen der Ausschüsse des Bundestages oder die Herausgabe eines Informationsblattes und eines bundesweiten Führers für nichtraucherfreundliche Gastronomiebetriebe. (FJW)


Überreichung des Bundesverdienstkreuzes an Ernst-Günther Krause (rechts im Bild) durch den Staatssekretär des Bayerischen Staatministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Georg Schmid (Photo EGK)


Gesetzliche Maßnahmen/Rechtsprechung


Verkaufsverbot von Tabakwaren an Jugendliche
Seit mehr als einem Jahr bereitet sowohl das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als auch eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten, die interfraktionelle Nichtraucherschutzinitiative im Deutschen Bundestag (Uta Titze-Stecher, SPD; Werner Lensing, CDU/CSU; Sylvia Voss, Bündnis90 / DIE GRÜNEN; Hildebrecht Braun, F.D.P.), einen Entwurf für eine Änderung des Jugendschutzgesetzes vor, in dem die Vorschriften für die Abgabe von Tabakwaren an Kinder und Jugendliche neu gefasst werden sollen. Im Kern sehen die Entwürfe ein Verbot des Verkaufs von Tabakprodukten an Jugendliche unter 16 Jahren vor. Das Verkaufsverbot soll ebenso für die Abgabe von Tabakwaren aus Automaten gelten, außer es werde durch Aufsicht oder geeignete Vorrichtungen sichergestellt, dass die Jugendlichen Tabakwaren nicht aus den Automaten entnehmen können (Quellen: Pressemitteilung der interfraktionellen MdB-Gruppe 28.01.2000, Frankfurter Rundschau 09.01.2001. Siehe dazu unten: Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche in Irland).
Nach Ansicht der KOALITION GEGEN DAS RAUCHEN, einem Zusammenschluss führender deutscher Gesundheitsorganisationen, greifen die Entwürfe zu kurz. Die Koalition fordert, die Altersgrenze für die Abgabe der Tabakprodukte - wie bei den harten Alkoholika - auf 18 Jahre festzusetzen und Automaten, die für Jugendliche zugänglich sind, abzuschaffen. (FJW)



Erneuter Anlauf für eine EU-Richtlinie zur Tabakwerbung
Die für die Gesundheit zuständigen Minister der EU haben am 5. Juni 2002 einen neuen Entwurf der EU?Kommission für eine Tabak-Werberichtlinie diskutiert. Acht Monate zuvor war die erste EU-Richtlinie zur Tabakwerbung vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf Klage der deutschen Bundesregierung hin annulliert worden. Mit Rücksicht auf die damalige Entscheidung des EuGH beschränkt sich der neue Vorschlag der Kommission nun auf die Werbung und Verkaufsförderung von Tabakwaren in Presse und anderen Printmedien, im Rundfunk, im Internet sowie durch Sponsoring einschließlich Gratisverteilung. Eine Reihe von Ländern wie Frankreich, Irland, Belgien und Spanien signalisierte bereits ihre Zustimmung zu dem Vorstoß der Kommission. Die deutsche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will vor einer formellen Stellungnahme überprüfen lassen, ob der Richtlinienentwurf der Rechtsprechung des EuGHs und dem Gebot der Verhältnismäßigkeit entspricht. Auch sei noch zu klären, ob ihr Ministerium oder das Verbraucherschutzministerium für die Regelung der Tabakwerbung zuständig ist. (FAZ 05.06.2001
)



Einschränkung des Rauchens auf Bahnhöfen und in Zügen

Die Deutsche Bahn AG will in Bahnhöfen und Zügen das Rauchen zurückdrängen. "Wer im Bahnhof rauchen will, soll die Raucherecke aufsuchen, wie es am Flughafen üblich ist", sagte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn der Bild-Zeitung. "Wir wollen weg von Gleisen, die wie Aschenbecher aussehen". Das spare zudem Reinigungskosten. Auch in den Zügen geht es Rauchern an ihr Laster. Die Plätze für Raucher sollten weiter zu Gunsten der Nichtraucher eingeschränkt werden. (Bericht der Süddeutsche Zeitung 15.06.2001)



Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche in Irland
Mit Wirkung vom 1. August ist es in Irland verboten, Tabakprodukte an Personen unter 18 Jahren zu verkaufen. Dies schließt die Abgabe von Tabakprodukten aus Automaten ein. Verstöße gegen diese Bestimmung kann mit einer Geldstrafe von 200 irischen Pfund (etwa 500 DM) Pfund geahndet werden. (ASH Irland 01.08.2001)



Rauchverbot in öffentlichen Räumen in Israel

In der ersten Augustwoche ist in Israel ein umfassendes Rauchverbot in öffentlichen Räumen in Kraft getreten. Damit wird die vorherige Verordnung des israelischen Gesundheitsministeriums, nach der in öffentlichen Räumen ein Nebeneinander von Raucher- und Nichtraucherzonen bestehen kann, erheblich verschärft. Öffentliche Gebäude sind jetzt prinzipiell rauchfrei. Das Rauchen ist nur noch in kleinen, ausgewiesenen Raucherräumen erlaubt. (International Tribune 03.08.2001)



Rauchfreie Fußballweltmeisterschaft

Die Regierung von Südkorea, das zusammen mit Japan die Fußballweltmeisterschaft für das nächste Jahr ausrichtet, kündigte an, sie wolle die Spiele in ihrem Land rauchfrei halten. Diese Erklärung wurde sowohl von der WHO wie der EU-Kommission und dem Fußballweltverband sehr begrüßt. Dagegen gab sich der Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes bedeckt. Auf eine Anfrage von 'Die Tabak Zeitung' wollte er sich zu dem Rauchverbot nicht äußern. Er ließ allerdings wissen: "Es gibt keine ähnlichen Empfehlungen des Deutschen Fußball-Bundes". Deutschland wird Gastgeberland für die Fußballweltmeisterschaft 2006 sein. (Die Tabak Zeitung 13.07.2001)




Aktionen der Tabakindustrie



Politische Prominenz beim Reemtsma Medientreff

Was für Philip Morris der 'Treffpunkt Berlin' (siehe Mitteilungen des ÄARG Nr. 19), ist für Reemtsma der 'Medientreff' in Hamburg. Veranstaltungen dieser Art sind darauf ausgerichtet, Politikern ein Forum für öffentliche Auftritte zu verschaffen. Im Gegenzug rechnen die Veranstalter mit einem Gewinn an Prestige und einer guten Möglichkeit, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Für den Erfolg dieser PR-Strategie ist nur noch die gefällige Berichterstattung durch die Medien erforderlich. Wie der folgende Bericht aus DIE WELT zeigt, scheint das PR-Kalkül der Zigarettenhersteller aufzugehen:
"Die Einladungen zum Reemtsma Medientreff sind hochbegehrt. Bundesweit. Und wer dabei sein kann ist "in". 600 Gäste drängten sich im Café Schöne Aussichten mit weißem Zeltanbau. Kondition war angesagt. Es herrschten Sauna-Temperaturen. Doch das heizte die Stimmung eigentlich eher an. Und das exzellente Fünf-Sterne-Büffet von Dorint-Chefkoch Sascha Baum sowie der fabelhafte Service der Hotel-Crew ließen kaum Wünsche offen. Reemtsma Vorstandssprecher Thierry Paternot und Top-Party-Organisator Manfred Schmidt gelang einmal mehr eine hochinteressante Gästemischung. Neben personellen Veränderungen in den großen Verlagen war natürlich das Hauptthema der langen Nacht die bevorstehende Wahl in Hamburg. Darum ließ sich nicht nur die Hamburger Polit-Prominenz sehen, sondern es reisten auch Bundespolitiker aus Berlin an. Angela Merkel war sowieso schon in Hamburg in Sachen Wahlkampf und erschien mit CDU-Spitzenkandidat Ole von Beust, dem sie gute Chancen einräumt. Sie war zum ersten mal beim Medientreff: "Ich habe interessante Menschen hier kennen gelernt." Hitze und Gedrängel machten ihr nichts aus: "Ich bin ja gestählt." Franz Müntefering war extra aus der Hauptstadt angereist, trank entspannt sein Bier, trotz Scharping-Affäre. Locker, im schwarzen T-Shirt, immer ein frisches Blondes in der Hand, amüsierte sich der Grüne Guido Rezzo Schlauch. Wann immer er kann, ist er beim Reemtsma Treff dabei. Genau wie Wolfgang Gerhardt, Fraktionschef der Liberalen. "Es ist eines der besten Feste". (Bericht von Doris Banuscher Die Welt 05.09.2001)
Auf dem Medientreff erschien kurzfristig auch Professor Romano Prodi, Präsident der EU-Kommission, der sich zuvor in das Goldene Buch der Stadt Hamburg eingetragen hatte. (Hamburger Abendblatt 04.09.2001)



Einführung schadstoffärmerer Nikotinprodukte
Nachdem der US-Zigarettenhersteller Ligett die Einführung von zwei neuen Zigarettenmarken 'Omni' und 'Omni Nicotine Free' angekündigt hat, die besonders niedrige Teerwerte aufweisen bzw. frei von Nikotin sind (siehe Mitteilungen des ÄARG Nr. 18), drängen nun weitere Tabakfirmen mit neuartigen Tabakprodukten auf den Markt. Ihre vorgebliche Zielgruppe sind abhängige Raucher, die den Nikotinkonsum nicht aufgeben wollen. Gesundheitsexperten befürchten, dass diese Produkte einerseits Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Nikotinabhängigkeit erleichtern und andererseits Rauchern den Ausstieg aus dem Tabakkonsum erschweren. (FJW)
Nikotin-haltiges Kaugummi für entwöhnungsunwillige Raucher ('Exalt')
Der Tabakkonzern Swedish Match, der verschiedene Tabakprodukte vor allem Kau- und Schnupftabake sowie Zigarren herstellt und vermarktet, plant in den US ein Nikotin-Kaugummi mit dem Markennamen 'Exalt' vorzustellen. Auch in Europa wird ein derartiges Produkt vermutlich noch in diesem Jahr - unter einem anderen Namen - auf den Testmarkt kommen. Dieses Kaugummi soll nach Angaben der Hersteller nicht wie die ähnlich gearteten Produkte der pharmazeutischen Industrie, z.B. die Nicorette von Pharmacia, Rauchern zur Entwöhnung helfen, sondern das Nikotinbedürfnis der Raucher in Situationen stillen, in denen ihr Rauchen unerwünscht ist. (Globalink 14.05.2001)
Cigalettes: Nikotin-haltige Pastillen ('Ariva')

Star Scientific, eine kleine Zigarettenfirma in Chester, Virginia, USA, will in Kürze ein neuartiges Nikotin-haltiges Produkt in Pastillenformat auf einen Testmarkt in den US-Städten Dallas und Richmond bringen. Das Produkt, für das der Name 'Cigalett' geprägt wurde, besteht etwa zu 60% aus feingemahlenem Tabak, der mit Eukalyptus-Geschmackstoffen durchsetzt und einem zuckerigen, pfefferminzhaltigen Überzug versehen ist. Die Cigalettes enthalten etwa die gleiche Menge an Nikotin wie Zigaretten. Anders als die meisten anderen 'rauchfreien' Tabakprodukte werden die Cigalettes nicht gekaut und ausgespuckt sondern aufgelutscht. Das Produkt soll unter dem Namen 'Ariva' in 'kindersicheren' Schachteln a 20 Stück zum gleichen Preis wie ein Päckchen Zigaretten verkauft werden. Die Zielgruppe für das neue Produkt ist die gleiche wie für das oben beschriebene nikotinhaltige Kaugummi, d.h. Raucher, deren Rauchmöglichkeiten am Arbeitsplatz, in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden zunehmend eingeschränkt werden. Der Tabakkonzern Brown & Williams, eine US-Tochter von British American Tobacco (B.A:T.), hat bereits einen Vertrag mit Star Scientific geschlossen, Cigalettes unter ihrem eigenen Firmennamen zu vermarkten. (Sunday Times 06.05.2001)



B.A.T. sucht den Dialog mit Tabakgegnern zur Imageaufbesserung

Der internationale Tabakkonzern B.A.T. lädt weltweit Tabakkontroll-Aktivisten dazu ein, mit ihm "in einen kontinuierlichen Dialog über die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens einzutreten". Der Konzern möchte vorgeblich erfahren, wie er von seinen Kritikern wahrgenommen wird, um daraus Konsequenzen für seine Unternehmensstrategie und sein gesellschaftliches Engagement zu ziehen. Auch in Deutschland ist B.A.T. an prominente Vertreter der Anti-Tabak-Lobby herangetreten. In Kenntnis der Tatsache, dass das Unternehmen jegliche Maßnahme, die den Tabakkonsum - und seinen Profit- verringern könnte, mit allen Mitteln bekämpft und seine Produkte allein im letzten Jahr 750.000 Menschen vorzeitig zu Tode gebracht haben, war die Reaktion der Angesprochenen denkbar kühl. Sie lehnen die Einladung ab und raten auch anderen, sich nicht an dieser durchsichtigen PR?Aktion des Unternehmens zu beteiligen. (Quelle: persönliche Mitteilung an die Redaktion)
Die gleiche Empfehlung geht von den Vertretern der nichtstaatlichen US-Gesundheitsorganisationen aus, die von Brown & Williamson zu einer ähnlich gearteten Interaktion eingeladen worden waren. (Rundschreiben der Betroffenen vom 15.08.2001)




Termine 2001

27. Oktober 2001

Jahreshauptversammlung des ÄARG und ARG im Deutschen Krebs- forschungszentrum, Geb. ATV, Im Neuenheimer Feld 424, Heidelberg.
Auskunft: Ärztlicher Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, Postfach 12 44,
85379 Eching, Tel. & Fax 089-316 25 25, e-mail: wiebel@globalink.org


26.-30. November
2001 3. Verhandlungsrunde zum Rahmenabkommen der WHO zur Tabakkontrolle, Genf

5. November 2001
Jahreshauptversammlung der KOALITION GEGEN DAS RAUCHEn, Braunschweig
Auskunft: Dr. Raphael Gaßmann, Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V., Westring 2, 59065 Hamm, Tel.: 02381-9015-0 (17), FAX: 02381-901530, e?mail: gassmann@dhs.de

18. März 2002 Einsendeschluss für Bewerbungen um den Forschungspreis 'Rauchfrei Leben'
Auskunft: Ausschreibungstext Forschungspreis 2002

9./10. Mai 2002
5. Deutsche Nikotin-Konferenz, Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung, Erfurt
Auskunft: Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung e.V., Johannesstr. 85-87, 99084 Erfurt, Tel.: 0361/64508-0, FAX: 036164508-20, e-mail: haustein@inr-online.de

20.-22. Juni 2002
3rd European Conference on Tobacco or Health, Warschau
Auskunft: Congress and Conference Bureau, att: ECOTH 2002,
Dluga 23/25, 00?238 Warschau, Polen, Tel. +48-22-644 50 24
ext. 2757, e-mail: ecoth@mazurkas.com.pl oder: info@ecoth2002.org






Impressum

Die MITTEILUNGEN ÄRZTLICHER ARBEITSKREIS RAUCHEN UND GESUNDHEIT (ISSN 1618-2766) sind das Mitteilungsorgan des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit e.V. (ÄARG) und seines Fördervereins, des Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit (ARG), beide Eching/München. Die Mitteilungen sind abrufbar unter: http://www.aerztlicher-arbeitskreis.de/.

Herausgeber: ÄARG und ARG
Redaktion: Dr. L. Schwarz, Prof. F. J. Wiebel (verantwortlich)
Anschrift: Postfach 12 44, D-85379 Eching/München
Telefon & Fax: 089 / 316 25 25
Druckerei Märkl, München

Erscheinungsdatum: September 2001
Die Mitteilungen erscheinen vierteljährlich und sind auf Anfrage kostenlos erhältlich. Postvertriebsstück Nr B 20757 F