Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V.
Ethik-Kodex zum Verhalten gegenüber der Tabakwirtschaft
„Es gibt einen fundamentalen und unüberbrückbaren Konflikt zwischen den Interessen der Tabakindustrie und gesundheitspolitischen Interessen“
(WHO-Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle)
Der Konsum von Tabakprodukten führt in Deutschland jährlich zum vorzeitigen Tod von mehr als 100.000 Menschen. Das sind mehr Todesfälle, als durch Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen verursacht werden. Tabakwaren sind anders als andere Konsumprodukte schon bei bestimmungsgemäßem Gebrauch gesundheitsschädlich und suchterzeugend.
Die Tabakwirtschaft versucht mit allen Mitteln, neue Kunden – in der Regel sind diese Kinder und Jugendliche – für ihre suchtfördernden, gesundheitsschädlichen Produkte zu gewinnen und ihre bestehenden Kunden eng an sich zu binden. Sie ist dazu auf die soziale Akzeptanz des Tabakkonsums und auf das positive Image ihrer Branche angewiesen. Diese sucht sie durch scheinbar selbstlose Aktivitäten aller Art in Kultur, Bildung, Wissenschaft und im sozialen Bereich zu fördern. Da solche Aktivitäten in der Bilanz jedoch Krankheit und Tod bedeuten, verbietet es sich für Einrichtungen und Einzelpersonen des Gesundheitswesens und der Gesundheitswissenschaften daran teilzuhaben.
Der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. und Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. haben auf der Jahreshauptversammlung am 26. Juli 2025 in Fulda folgenden Ethischen Kodex zum Umgang mit Zuwendungen der Tabakwirtschaft beschlossen:
Die Arbeitskreise und ihre Mitglieder
- lehnen jegliche finanziellen Mittel der Tabakwirtschaft für Forschungsförderung, Reisekosten, Gutachterhonorare, Vortragshonorare, Wissenschafts- und andere Preise ab,
- lehnen jegliche Spenden der Tabakwirtschaft ab,
- lehnen die Mitwirkung an Veranstaltungen der Tabakwirtschaft oder Dritter, die von der Tabakwirtschaft maßgeblich gesponsert werden, ab.
Der Ethische Kodex gilt
- für alle Firmen und Einzelpersonen, die in ihrem Kerngeschäft zu Anbau, Herstellung, Marketing und Vertrieb von Tabak- und Nikotinprodukten (d.h. Rauchprodukte, E-Zigaretten, Tabakerhitzer sowie nichtinhalative Nikotinprodukte) beitragen, ebenso für die von Tabakkonzernen abhängigen Stiftungen, Organisationen und Einzelpersonen.
- für Firmen, die einen Zigarettennamen für andere Produkte verwenden (Marken-Dehnung) und Institutionen/Organisationen mit Zigarettennamen für karitative oder kulturelle Maßnahmen.
- für Kulturpreise oder Wissenschaftspreise, die einen Zigarettennamen oder den Namen eines Tabakkonzerns tragen. Dies trifft auch auf Wissenschaftspreise oder kulturelle Preise zu, die von Tabakkonzernen ohne Bezug auf einen Markennamen vergeben werden.
Der Ethische Kodex gilt nicht
- für die Annahme von Geldern aus einem öffentlichen Fonds aus Tabaksteuermitteln. Gelder aus einem Tabaksteuerfonds unterscheiden sich grundsätzlich von Geldern der Tabakindustrie: Hohe Tabaksteuern beeinflussen das Konsumverhalten im Sinne einer Konsumreduktion und stellen die wirksamste Einzelmaßnahme der Tabakkontrolle dar. Fonds aus Steuermitteln können unabhängig von Tabakindustrieinteressen vergeben werden.
- für Stiftungen oder Organisationen, die keine Verbindung mehr mit der Tabakindustrie haben, jedoch aus historischen Gründen einen Namen tragen, der mit dieser Industrie in Verbindung steht.